Meszmer/Mueller in der Krypta des Grossmuenster, Zuerich

 

Meszmer/Müller

Versuchsanordnung und Erklärungsmodelle

Die Bibel ins rechte Bild gesetzt

Grossmünster Zürich, in der Krypta

Vernissage: Samstag, 5. November 2011, 11 Uhr

Vorbesichtigung für Medienvertreter: 5. November 2011, 10 Uhr

Ausstellung: 6.–27. November 2011

Öffnungszeiten: 10–17 Uhr

 

Das Künstler-Duo Meszmer/Müller – sprich Alex Meszmer und Reto Müller – arbeiten seit zwei Jahren an Collagen aus biblischen Stoffen. In der Krypta des Grossmünsters Zürich zeigen sie diesen Herbst ihre Werke als gross angelegte Rauminstallation, die von archäologischen Fundstücken und historischen Objekten – u.a. den „originalen“ Häuptern der Zürcher Stadtheiligen Felix und Regula aus Andermatt – ergänzt werden.

 

Ausgangspunkt für die Beschäftigung von Meszmer/Müller mit Bibelillustrationen ist die Er­fahrung, die sie auf Reisen und während zahlreichen Kirchenbesuchen machten: Die Inhalte der christlichen Bilder und Heiligen-Darstellungen sind kaum mehr zugänglich, allenfalls noch mühsam ikonographisch – über Symbole und Attribute – zu entschlüsseln. Diese Sinnentlee­rung treiben sie in ihren Collagen weiter und machen sie kreativ nutzbar. Aus bebilderten Bibeln und erbaulichen Büchern des 19. Jahrhunderts, wobei ihre bevorzugte Publikation die Heilige Schrift, illustriert von Julius Schnorr von Carolsfeld, ist, nehmen sie ihr Material, wir­beln es durcheinander und fügen es neu zusammen. Dies immer nach der Massgabe jeder guten Collage, dass sie vor allem formal funktionieren muss. Alte Sinnzusammenhänge ver­lieren sich in diesem „Remix“. Dennoch ist es dem Betrachter – über Figuren, Gewänder, Haltungen, orientalische Landschaften und Dattelpalmen – beständig klar, dass er sich in einem biblischen Raum bewegt. In der Ausstellung wird er nun begehbar.

Das Grossmünster ist nun alles andere als ein neutraler Ort. Aufgeladen mit Ge­schichte geht die Hauptkirche der Zürcher Reformation auf die Legende von Felix und Regula zurück, die in Form einer wandfüllenden Feder-Zeichnung von Hans Leu d.Ä. (um 1490/1500) als weitere Bildebene in der Krypta dargestellt ist. In der Mitte des 19. Jahrhun­derts wurde der Zyklus wieder freigelegt, allerdings nur in fragmentierter Form und später noch weiter beschädigt. Durch die Geschichte wurde hier zum schwer entzifferbaren Stück­werk, was einst zusammenhängende Erzählung war.

Die Legende von Felix und Regula wird aber auch über eine substanzielle Leihgabe präsent sein. Die „originalen“ Häupter, die spätestens seit dem 17. Jahrhundert in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Andermatt verehrt werden, kommen an den legendären Ort ihrer Herkunft zurück. Unabhängig von der Frage, ob es sich bei den Schädeln um diejenigen von Felix und Regula handelt; auch unabhängig davon, ob es diejenigen sind, die einst im Grossmünster verehrt wurden, zeigen die beiden Köpfe Felix und Regula. Mindestens in dem Sinn, dass sie die Häupter der Heiligen darstellen. Ergänzt wird die Installation von Mesz­mer/Müller im Weiteren durch ausgesuchte archäologische Fundstücke aus den ersten nachchristlichen Jahrhunderten, die in der Schweiz ausgegraben wurden. Ihre Herkunft ha­ben sie hingegen im Nahen Osten oder in Nordafrika, wo Felix und Regula der Legende nach herkamen.

So entsteht in der Krypta des Grossmünsters ein komplexer Denk- und Erfahrungs­raum aus Bildern – historischen und gegenwärtigen – , aus Fundstücken und Objekten. Die Bezüge sind vielfältig, kreisen aber immer um die Kernthemen Bibel, Religion und um die historische Bedeutung des Grossmünsters.

 

Für weitere Auskünfte steht der Ausstellungs-Kurator Ulrich Gerster (Kirchgasse 15, CH-8001 Zürich, Tel. +41 44 262 42 96, ulrich.gerster@bluewin.ch) jederzeit zur Verfügung.

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