Der Tyrann von Pfyn

Joachim Mötteli von Rappenstein beherrschte im Thurgau das Land von Wellhausen bis in die Gegend von Weinfelden. Auch Weinfelden war ihm zum Teil noch zehntenpflichtig. Eifersüchtig wachte er über seine Rechte. Wehe dem, der ihm dabei ins Gehege kam. Er war aufbrausend, gewalttätig, ränkevoll und berechnend, schreckte vor keiner Untat zurück. In Pfyn hauste er ärger unter seinen Untergebenen als ein räuberischer Hecht im Karpfenteich.

Am ärgsten und unerträglichsten trieb er es mit den Frauen und Töchtern seiner Untertanen. Wer ihm dabei entgegentrat, dem drohte er mit Kerker und Erstechen. Einigen Töchtern ritt er aufs Feld nach, und wenn sie sich zur Wehr setzten, schlug er sie erbärmlich. Wenn jemand die Mädchen vor dem Gerichtsherrn warnte, wurde er verfolgt und misshandelt.

Als Joachim eines Tages ein Bauernmädchen belästigte, kam des Pfisters Frau von Pfyn dazu und gebot ihm Einhalt. Da schlug und traktierte er sie mit Fusstritten, dass die Frau gleich danach eines „unzytigen Kinds“ genas. Ihr Ehemann, der Klage einreichte, wurde nicht minder misshandelt. Als Mötteli von dessen Gang zum Richter erfuhr, kam er zu Pfisters Haus, schlug die Türe ein und suchte mit gezücktem Schwert nach dem Hausherrn. Er stieg bis auf den Heuboden und stiess mit dem blossen Schwert in den Stock, in die Streue und alle Winkel. Da verliess der Pfister aus Angst die Gemeinde.

Als die Frau Jakob Gügis vernahm, dass der Mötteli es auf sie abgesehen hatte und ihr auflauere, nahm sie einen Umweg ins Bad. Der Junker verlief ihr den Weg. Wegen der erlittenen Misshandlung hatte die Frau keine gute Stunde mehr und starb bald danach.

Einem armen Waisenmädchen, das bei einer Näherin in die Lehre ging, passte der Wüstling in der Dunkelheit ab und ging mit ihm um „das Gott erbarm“.

Am 4. März 1749 verstarb er an einer bösen Krankheit. Er wurde in der Kirche von Goldach beigesetzt.

Auf seinem Totenstein steht geschrieben:

„Hie lit begraben der edel und vest Joachim von Rappenstein genannt Möteljn der starb uf menttag nach der herren Fastnacht 1549 den got begnad.“