Der Mötteli-Hügel

 Wer bei Nacht oder in später Geisterstunde am Gut Schauenhausen auf dem
Hügel vorbeigeht, der hört ein Stöhnen und Ächzen, und zugleich zeigt sich
eine weisse Gestalt. Man sagt, dies sei die Schwester des Jakob Mötteli vom
Rappenstein, der seine Schwester mit eigener Hand gefoltert habe.

Einst fehlten dem reichen Mötteli bei der Überprüfung seiner Goldtruhen siebzig
Taler. Er verdächtigte seine Schwester des Diebstahls und sperrte sie vier
Tage lang in den Zwinger. Dann legte er ihr, weil sie nicht gestehen wollte,
einen eisernen Halsring und die Daumenschraube an. Ihr Wehgeschrei drang bis
ins Dorf hinunter.Doch hatte der Kaiser von der Untat Möttelis gehört und befahl seinen
Knechten, den Unmenschen zu ergreifen, der seine Seele längst im plumpen
Leib erstickt hatte.

So musst der Mötteli drei Jahre lang in des Kaisers Hand in der Burg zu
Lindau schmachten. Als ihn der Freiherr von Sachs freigepresst hatte, fand
er dennoch seine Ruhe nicht mehr. Er verliess sein Schloss und zog in sein
Gut bei Pfyn. Doch zogen die Gespenster mit ihm und raubten ihm bis zu
seinem Tode die Ruhe und auch danach.

Wenn die Pfyner am Hügel vorbei gehen, schlagen sie ein Kreuz und bitten
darum, dass es auf dem Hügel still werde.
Aus: Sagen der Schweiz: Schaffhausen, Thurgau, Zürich 1988