Olim meminisse iuvabit

Die Veranlassung, dass diese Schrift dem Leser zu Gesichte kommt, ist eine
im Frühjahr 1923 von der paritätischen Kirchengemeinde beschlossene
Neubedeckung der Kirche mit engobirten Ziegeln, ausgeführt durch die
ortsansässigen Meister Karl Herzog und Alois Bauer und Sohn im Juli und
August desselben Jahres, wobei auch Kreuz und Knopf des Turmes durch Maler
Herzog dahier eine frische Vergoldung und ebenso das Turmgehäuse, dessen
Schindelbelag durch Verwitterung gelitten hatte, durch oben genannte
Deckermeister eine neue Bekleidung durch Eternitschindeln erhielt. Von
anderen baulichen Änderungen, bzw. Neuerungen seit Beginn des Jahrhunderts
ist zu melden:

1902 wurden die beiden gemalten Fenster, erstellt von Berbig in Zürich, in
den Chor eingesetzt um die Kostensumme von 800 Sfr.

1912 traten an die Stelle der alten neue, eichene Chorstühle, geliefert von
Blank in Will. Erstellungskosten 3700 Sfr.

1909 segnete die altersschwach und vergesslich gewordene, von Meister Mäder
in Illhardt um 1820 verfertigte Kirchuhr das Zeitliche. An ihre Stelle
lieferte die Firma Mäder in Andelfingen ein neues, vom Fortschritt der
Technik zeugendes und tadellos gehendes Werk mit Viertelstundenschlag,
Messingrädern und Minutenanzeiger um die Summe von 1530 Sfr. Gleichzeitig
wurde ein neues Zifferblatt mit vergoldeten Zahlen angebracht und solches
von der etwas seitlichen Lage des früheren in die Mitte des Giebelfeldes
gerückt.

Das elektrische Licht, das erst in diesem Jahrhundert in seiner ganzen Fülle
der Welt aufgegangen ist und in ihr eine bessere Aufnahme gefunden hat, als
das, von dem Joh. 1,5 steht, hat ebenfalls 1909 in dieser Kirche seinen
Einzug gehalten und im Winter 1922/23 hat diese wunderbare Kraft an Stelle
der ausgebrannten und eisernen Öfen die Beheizung der Kirche übernommen
mittels fussschemelartiger Heizkörper nach System Gutzwiler in Therwil bei
Basel. Die Anlage wurde erstellt von der Firma Hardmeier in Rorschach um die
Summe von 7000 Sfr, welche dann aber durch die Kosten des Stromanschlusses
sich noch um einige Tausend Franken erhöhte.

Im Jahr 1915 erfuhr auch die Orgel durch die Hand des ebenso kunstfertigen
wie kunstsinnigen Herrn Pfarrer Wick in Herdern eine durchgreifende
Renovation. Eine Anzahl neue Register an Stelle der alten, ein Orgeltisch
mit 2 Manualen, pneumatische Anstimmung, sowie ein automatisches Gebläse mit
elektrischem Antrieb (ein Geschenk der hiesigen Fabrikleitung) geben dem
Werk sozusagen den Charakter eines neuen. Wochenlang war der genannte
geistliche Herr, sein Ersteller, fast täglich im Werkschurz auf der Empore
tätig, und nur seiner grossen Uneigennützigkeit verdankt es die Gemeinde,
dass die Kosten die Summe von 2500 Sfr. nicht überstiegen.

Menschen können bauen und fühlen sich so sicher auf diesem Erdboden, während
unter ihren Füssen feindliche Riesenmächte kochen und gären, die, würden sie
nicht von einer höheren Hand zurückgehalten, die Erde wie eine Bombe zur
Explosion brächten.

Hie und da pochen sie aber doch an die Oberfläche, um den ahnungslosen
Menschen zu zeigen, dass sie da seien und wie nichts vor ihrem Zorn sie, die
Menschen, wären samt ihren Werken.

Am Abend des 16. November 1911 um 10 Uhr 20 wurden die Bewohner unseres
Landes weit herum erschreckt durch ein Erdbeben, das, hätte es nur länger
gedauert, ähnliche Verheerungen hätte anrichten können, wie dasjenige von
Messina im Jahr 1908, das an die 200 000 Menschen unter seinen Trümmern
begrub.

Unsere Kirche zeigte Risse an der Decke vor dem Chor und über dem westlichen
Portal. Hauskamine wurden beschädigt und der Schreiber dieser Worte, mit den
Seinigen in der Stube befindlich, hatte das unheimliche Gefühl des
Schwankens auf einem Schiff. In Konstanz fielen das Kreuz und eine Krabbe
vom Münsterturm. In Horn stürzte ein hoher Fabrikschlot bis auf den Grund
ein.

Nur 5 Monate später war es das Element des Feuers, von dem der Ort
heimgesucht wurde. Dieselbe Stunde der Sonntagnacht vom 14. auf den 15.
April 1912, da der grösste englische Passagierdampfer Titanic auf seiner
ersten Fahrt nach New York an einen Eisberg stossend mit seinen ca. 1300
Insassen zu Grunde fuhr, war auch die Stunde der Brandkatastrophe des
Städtli. Um halb Ein Uhr morgens züngelte hinter einem der beiden hohen, aus
dem 16. Jh. stammenden Giebelhäuser, die dem Städtli noch das malerisch
Ansehen eines solchen gaben, von Frevler Hand entzündet, die Flamme auf,
die, an dem alten, massigen Gebälk reiche Nahrung findend, bald hoch zum
Himmel loderte und in kurzer Zeit mit den erwähnten, den Erben der
Geschwister Konrad und Elisabeth Klemenz und der Fabrik gehörenden Gebäuden
auch das in unmittelbarer Nähe befindliche kleiner Wohnhaus des Johann
Altenburger-Stutz und die gegenüberliegende Scheune des katholischen
Pfarrhofes einäscherte. Das von hier aus die gierige Lohe das Dachgesims der
Kirche nicht erreichte, war der Wirkung der Hydranten, welche im Verein mit
der alten Handfeuerspritze auch das in höchster Gefahr stehende evangelische
Pfarrhaus rettete zu verdanken.

Wie die Jahre 1911 und 12, so ist auch das unmittelbar vorhergehende Jahr
1910 durch ein elementares Ereignis ein für unseren Ort denkwürdiges
geworden. Ein in Folge heftiger Regengüsse unterhalb der Eschikofer
Eisenbahnbrücke entstandener Dammbruch liess am 10. Juni die Fluten der
hochgehenden Thur über das ganze Gelände der Au bis an den Adelberg und den
südlich vom Dorf sich hinziehenden Erdwall hereinbrechen und es in einen zum
teil übermannshohen See verwandeln. Aus dem Oekonomiegebäude der Fabrik
musste das Vieh, an ein Seil gebunden, durch einen Kahn schwimmend an den
Abhang des Adelberges hinübergelotst werden. Die Wasser der Thur überspülten
die Fahrbahn der Pfyner Brücke. Kinder mussten hinübergetragen werden und es
ward eine Erhöhung der Brücke um 90cm nötig. Auch die Fabrik erlitt durch
die Beschädigung der Maschinen bedeutenden Schaden.

Ernsteren Charakters war eine im Jahre 1918 von Spanien aus ganz Westeuropa
heimsuchende, als Fieber in verschiedener Form auftretende infektiöse
Krankheit, die wenn auch nicht immer tödlich verlaufend, doch häufig einen
bleibenden Schaden zurückliess und auch in unserem Vaterlande zahlreiche
Opfer forderte. Speziell unser Kanton beklagt viele seiner Söhne, die als
Wehrmänner zur Abwehr von Unruhen nach Zürich kommandiert, dort im Dienste
des Vaterlande der Seuche erlagen. Wie schwer dieselbe treffen konnte,
beweist ein besonders trauriger Fall in Felben, wo innerhalb weniger Tage 6
Glieder aus derselben Familie (Mutter, 2 Söhne und 3 Töchter) dahingerafft
wurden, wovon 5 im selben Grabe liegen. Unsere Gemeinde blieb indes ziemlich
verschont. Nebst mehreren Erkrankungen ist nur ein Todesfall zu verzeichnen.

Wie einst in Ägypten, so schlug in unserem Lande die Gottesgeissel Seuche
auch das Vieh. Im Jahr 1920 trat die Maul- und Klauenseuche auf, und hielt,
von Ort zu Ort wandernd und nur ausnahmsweise je einen oder mehrere Ställe
verschonend, ihren Umzug durchs ganze Land. Die Massregeln zur Verhütung der
Ansteckung waren mehr als streng. Häufig wurden, war nur ein Haupt von der
Seuche ergriffen, ganze Ställe (bei Wyler in der Langfuri 8, in der Fabrik
ebenfalls 8 bei Bechberger, Messmer im Städtli 4 Stück) durch Schlachtung
geleert. Fast bis ins Lächerliche verstiegen sich die behördlichen
Prohibitiv-Verfügungen (Absperrungen der Häuser durch Gehege und der
Dorfgemeinden durch Ketten und Schlagbäume respektive zwangsweise
Desinfektion fahrender wie zu Fuss gehender Passanten durch aufgestellte
Wachtposten, an manchen Orten sogar Einstellung des Gottesdienstes, während
Wirtschaften und Vergnügungslokale geöffnet blieben). In hier wurde im
Gemeindesaal evangelischer Gottesdienst gehalten. Im Fillial Weinigen fiel
er ganz aus. Alle diese verzweifelten Abwehrmittel vermochten aber dem
Umsichgreifen der Seuche keinen Einhalt zu tun. Sie hielt viele Monate lang
an und hat dem Lande ungeheuren Schaden zugefügt.

Im Übrigen gehören die Jahre vom Beginn des Jahrhunderts an mit Bezug auf
das, was die Welt zu ihrer Lebensfristung aus ihres Schöpfers Hand empfangen
muss zu denen, von welchen es heisst: Gott hat sich nicht unbezeugt gelassen
und hat euch Regen und fruchtbare Zeiten vom Himmel herab gegeben und eure
Herzen erfüllt mit Speise und Freude. Blieb auch eine Kultur in ihrem Ertrag
zurück, so brachte eine andere umso reichere Ernte.

1903 war ein gutes Weinjahr, der Qualität nach. Und gar der 11er feierte
seinem Jahrgänger vom vorigen jahrhundert mit seinem Gehalt ein würdiges
Jubiläum. Auch seither gab es etliche Jahre mit noch lohnenden Erträgnissen
für Gegenden, wo noch Reben sind. Schade, dass der Böse Mehltau, den Weinbau
in unserer Gegend aus der Landwirtschaft fast ausgeschaltet hat. Wer noch
die alten herrlichen Rebgelände mit ihren Trottgebäuden gesehen hat, den
mutet der heutige Anblick wehmütig an. Hier in Pfyn ist dieses Edelgewächs
schon seit Jahren bis auf 2 Stücklein gänzlich verschwunden. Da und dort im
Lande macht man Versuche mit amerikanischen Pflänzlingen. Der Erfolg ist
noch abzuwarten. Obwohl die Zeit wieder kommen wird, da man im Herbst, wie
einst, wieder in die Reben läutet?

Seit dem Ausfall des Weinbaus wendet sich die Aufmerksamkeit mehr der Pflege
des Obstbaums zu. 1903, 1908, 1921 und 1922 waren besonders reiche
Obstjahre. Die Mosterei Pfyn im Lindenhof (1917 war derselbe von der Familie
Hüeblin, Friedensrichters, der langjährigen Besitzerin, an den Verband
Schweizerischer Konsumvereine übergegangen) versandte im letztgenannten Jahr
aus eingeliefertem Obst des Dorfes und der nächsten Umgebung 158
Eisenbahnwagen à 100 Kilozentner (1Million und 580 000 Liter) Most. Trotz
der Fülle des Ertrags war jedoch der Erlös für den Landmann gering, denn der
Tiefstand der Valuta in Deutschland in Folge des Krieges verunmöglichte die
Ausfuhr und drückte den Preis bis auf 2 Sfr. Pro Kilozentner herab. Viel
Obst blieb unter den Bäumen liegen und verfaulte. Doch kam der in dieser
Richtung gesegneten Jahre unser gesundes Landesgetränk zum Verdruss der
Bierbrauer auch auf dem Wirtstisch wieder zu Ehren.

Das Jahr 1904 war ausserordentlich trocken. Ein Vierteljahr regnete es
sozusagen nie. Infolgedessen grosse Futternot. Auch 1911 und 21 zeichneten
sich durch Trockenheit aus. Das Obstjahr 1922 war ein Fehljahr für
Brodfrucht und Kartoffeln. Im laufenden Jahr waren Frühjahr und Vorsommer
bis Ende Juni nass. Nach einem herrlich warmen und blütenreichen Maianfang
trat ein Temperatursturz ein. Mitten im Heuet gab es Tage, da man entweder
frieren oder heizen musste. Der warme, zum Teil sehr heisse Hoch- und
Nachsommer scheint aber wieder gut machen zu wollen, was der Vorsommer
versäumte. Die Fruchtfelder stehen prächtig da. Auch eine schöne
Kartoffelernte ist in Aussicht. Die Obstbäume hingegen brauchen dieses Jahr
Erholung.

Was vom Himmel kommt, das ist alles gut. Auch wo Gottes Hand einmal wehtut,
ist es leichter zu ertragen, als was Menschen Arges anrichten. Im einen Jahr
1912 traf unsere Gegend wie der Blitz vom heiteren Himmel die Nachricht aus
Steckborn, die dortige Bank habe ihre Zahlungen eingestellt, nachdem sie
kurz zuvor noch eine Erhöhung des Aktienkapitals in Szene gesetzt. Viele
Private erlitten empfindliche Verluste und kleine Leute büssten ihre
Sparpfennige ein. Die Gemeinde Dettighofen war mit ihrem ganzen
Schulvermögen engagiert, die Schulgemeinde Pfyn mit 7000, die katholische
Kirchengemeinde mit 40000 Fr. Die Liquidation ergab zu Gunsten der Gläubiger
noch 17%.

Es war überhaupt die Zeit der Bankkrache. Ein Jahr vorher brach die
Eschlikoner und fast gleichzeitig die Aadorfer Bank ein, für deren Verluste
aber die Gemeinde mit ihrer Garantie einzuspringen hatte. 1917 kam auch die
alte und angesehen Hypothekenbank in Frauenfeld in Folge Werteinbusse ihrer
in Deutschland gelegenen Hypotheken ins Wanken. Den Zusammenbruch verhütete
eine Fusion mit der Schweizerischen Bodenkreditanstalt welche der ersteren
Aktiven und Passivem, die Aktien zu 3/5 ihres Nominalwertes, übernahm. Aber
auch letztere kam durch den unerwarteten Valutasturz in Deutschland in
Zahlungsschwierigkeiten und die Gläubigerschaft fand es für angeraten in
eine Moratorium für fällig werdende Obligationen und in eine Reduktion der
ihr gutgeschriebenen Zinsen von 5 ½ auf 4% einzuwilligen. Auch ausserhalb
des Kantons krachte es da und dort im Lande herum.

Vielleicht fragt ein Leser den Schreiber, ob er denn nichts von dem
ungeheuerlichen Weltkrieg wisse, den er doch miterlebt haben müsse. Freilich
weiss er davon. Aber soll er der Nachwelt berichten, was bei ihr jedes Kind
aus den Schulbüchern weiss? Ausserdem hat er es hier nur mit Vorgängen der
engeren und engsten Heimat zu tun, soweit diese durch das grosse
Weltereignis in Mitleidenschaft gezogen wurde. Und auch da wird man auch
ohne diese Schrift noch lange reden von der allgemeinen Aufregung, welche
am Freitagabend des 31. Juli 1914 der in allen Städten und Dörfern des
Vaterlandes angeschlagene Mobilmachungsbefehl der ganzen schweizerischen
Armee, inbegriffen Landsturm, im Volke hervorrief, von der Erstürmung der
Läden durch die ängstlichen Hausfrauen mit Einkauf von Mundvorräten aus
Furcht vor eintretendem Mangel, von der dieses eigensüchtige Vorgehen
abstellenden behördlichen Rationierung der Lebensmittel (Brod-, Milch-,
Käse-, Fleisch-, Zuckerkarten), von zwangsmässig angeordneter Vermehrung des
Getreide- und Kartoffelanbaus, von obligatorischer Abgabe des über den
persönlichen Bedarf gehenden Ertrags durch die Produzenten, vom
Emporschnellen des Preises aller Bedarfsartikel aufs Doppelte, Drei- und
Vierfache, und dementsprechend auch der Löhne und Gehälter, von der
Absperrung der Landesgrenzen für den persönlichen Verkehr, der Erhöhung der
Zollschranken usw.

Gute Zeit hatten die Bauern, denen ihre Produkte fast um jeden Preis aus den
Händen gerissen wurden. Zahlte man doch für ein Ei 40-50 bis 80 Rappen statt
10-12. Der Fleischpreis stieg von 2 Sfr. 40 – 7 Sfr je Kilo, die Milch pro
Liter von 20 auf 40 Rappen. Eine schöne Milchkuh galt bis 3000 Sfr, statt
700-800.

Die rasch anwachsende Differenz des Geldwertes in den Kriegsländern (Krone,
Mark) gegenüber dem in den neutralen Staaten schuf Saisonzeit für die
Gefolgschaft seiner Majestät des Königs Mammon. Wie Pilze schossen aus dem
Boden raffinierter Habenichtse über Nacht Villen bewohnende und Seebäder
besuchende Millionäre hervor. Es war und ist heute noch die Blütezeit der
Schmuggler, Wucherer und Schieber.

Gegenwärtig sind die Augen der Welt auf das in wirtschaftlicher Ratlosigkeit
und innerpolitischen Nöten darniederliegende Deutschland gerichtet. Die
moralische Welt verurteilt den grausamen französischen Tiger, der ihm in der
militärischen Besetzung des Ruhrgebietes seine Pranken unbarmherzig in den
Nacken schlägt.

Die allem Recht und aller Menschlichkeit hohnsprechende Behandlung durch den
übermütigen und unversöhnlichen Sieger hat dem unterdrückten Land wohl
wieder Sympathien, aber von keiner Seite eine nachdrückliche Fürsprache und
wirksame Hülfe verschafft. Die Lebensnot bürgerlicher, ehedem wohlhabender
Kreise in den Städten ist infolge des ungeheuerlichen Sturzes des
Marktwertes (5 Sfr. Eine Million) und des ebenso in Masslose gestiegenen
Preises aller Lebensbedürfnisse bis zum verzweifeln gross.

In Thüringen und Sachsen müssen Geistliche (in letzterem Lande 300) als
Arbeiter in Bergwerken, Bureaus, Fabriken etc. sich ihren unterhalt
verdienen. Wo solls noch hinaus? Kein Weiser weiss Rat.

Die ganze Welt liegt im Argen. Von Spanien bis tief in den Osten Asiens
hinein gärt und brodelt es. Überall sind die Mächte des Umsturzes und der
autoritätslosen Anarchie am Werke und drohen aller Wohlordnung den
Untergang. Nur Gott kann helfen und wird noch helfen. Aber erst muss es
Mitternacht werden hier unten. Dann erst erscheint nach schweren, alles Arge
ausscheidenden Gerichten über einer neuen, von Gottes Volk bewohnten Erde
der grosse, ewig herrlichen Tag des Herrn mit seinem

SOLI DEO GLORIA

Wenn diese Schrift gelesen wird, wird die Hand des 75-jährigen Schreibers
längst unten im Grabe ruhen. Er hofft aber, seine Tage zu beschliessen in
dem Glauben an das alte, ewig wahre und allein selig machende Gotteswort,
das er 38 Jahre lang in dieser Kirche hat verkündigen dürfen.

Nachtrag

Während der Zeit, da dieses geschrieben wurde, amteten als Pfarrer der
Gemeinde, katholischerseits Jakob Stücheli aus der Hub bei Gessenberg, geb.
1867, vom Herbst 1900 bis Lichtmess 1901 Vikar, von da an gewählter Pfarrer,
evangelischerseits: Karl Schaltegger von Junkholz-Bissegg, geb. 1895,
gewählt 23. Jannuar 1921 als Nachfolger seines Vaters, des Schreibers dies,
den er von November 1920 bis Ostern 1921 als Vikar vertrat.

Von ausserordentlichen Unglücksfällen ist zu erwähnen: 1918 wurde ein junger
Mann, des Georg im Städtli einziger Sohn und Stütze des Hauses, beim
Dreschen vom Starkstrom berührt und plötzlich getötet.

1921 ertranken in Dettighofen beim Baden in einem Bachgumpen drei Knaben von
9 und 7 Jahren.

Lebensmittelpreise von heute:

Mittelbrod der Laib zu 4 Pfund 1 Sfr. 10 Rappen

Milch pro Liter 30-32 Rappen

Butter pro Pfund 3 Sfr

Käse halbfett pro Pfund 1 Sfr 60 Rappen

Rindfleisch das Pfund 1 Sfr 60 Rappen

Teigwaren das Kilo 1 Sfr 10 Rappen

Zucker das Kilo 1Sfr 10 Rappen

Kaffee geröstet das Pfund 2 Sfr-2Sfr 50 Rappen

Eier 3-5 für 1 Sfr

Pfyn im August 1923

R. Schaltegger sen. Pfr. em.

Das Alter macht vergesslich. Drum sei noch Folgendes nachgeholt:

Im Jahre 1905 wurde zur Erleichterung und Belebung des Personenverkehrs
zwischen Frauenfeld und Steckborn ein Automobil-Omnibus-Kurs mit 3 Hin- und
Rückfahrten eingeführt, der aber trotz befriedigender Frequenz wegen zu
grosser Betriebsdefizite schon nach 5/4 Jahren wieder aufgegeben werden
musste.

Letztes Jahr wurde das Projekt – und diesmal mit besserem erfolg – wieder
aufgenommen. Seit 1. August 1922 verkehrt, anfangs nur mit 2-maliger, seit
Frühjahr 1. Jahr mit 3-maliger Hin- und Rückfahrt über Pfyn und Dettighofen
(seit Sommer 1. Jahr auch über Lanzenneuforn) ein Postauto zwischen
genannten orten. Bis jetzt gab es noch keinen Fehlbetrag zu decken.

Für die Flugpost, die seit Frühjahr in täglicher 3-stündiger Hin- und
Herfahrt zwischen Genf und München über Zürich je morgens 10 Uhr und
nachmittags 4 Uhr mit durchschnittlich sieben Passagieren gerade über
unseren Häuptern ihren Kurs verfolgt, ist unser Ort freilich zur Zeit noch
keine Landungsstation.

D.Obige.