Elfen in Pfyn!

Die dreisten Uferelfen bei Weinigen/Pfyn an der Thur

Naturwesen-Charakteristik: Uferelfen, also Luftwesen

Sie sind einfallsreich und unberechenbar, von zuweilen derbem Humor; immer
wieder zu kernigen Streichen aufgelegt, jedenfalls gern spielend. Neben
Herumtollen und Schabernack-Treiben kümmern sie sich auch um die
Uferlandschaft.

Aussehen

Mindestens 500 flügellose Elfen, etwa 10 bis 15cm gross, hell-oszillierend,
durchscheinende tuchähnliche Kleidung, fragil und sehr wendig. Manchmal
regungslos in der Luft stehend, dann wieder in Schwärmen herumschiessend, in
Gruppen aufstiebend, in Wirbeln an unserem Kopf vorbeisausend. Ihre Augen
sind insektenartig starr.

Anreise

Mit dem Velo oder Auto kann fast direkt ans Thurufer gefahren werden, Mit
dem öffentlichen Verkehr: Ab Frauenfeld mit dem Postauto 10 Minuten bis
weinigen, von dort etwa 30 Minuten Fussmarsch zum Thurufer.

Wanderung von Weinigen her

Durch den Wald in Richtung Herdern, Pfyn, bei der Waldecke Erlimoos rechts
halten. Auf dem Asphaltweg Richtung Wald weitergehen (Durch teilweise
militärisches Gebiet auf dem ; das
Waldstück ist bei Schiessbetrieb abgesperrt). Direkt nach dem Wald verläuft
ein Fussweg ans Thurufer, das sich zu unserer rechten Seite ausbreitet.
Diesen Weg (rechts säumt der Waldrand den Weg) zum Thurufer gehen. Das ganze
Wiesen- und Ufergebiet mit ein wenig Waldsaum gehört zum Gebiet der
Uferelfen.

Wanderung von Pfyn aus

Von Frauenfeld her direkt bei der Ortstafel Pfyn nach links in die
Weiningerstrasse Richtung Weiningen abbiegen, weiter den Spazierweg entlang
bis zum Thurufer. Kurz vor dem Waldrand den Fussweg nach links direkt zum
Thurufer nehmen.

Ausserdem lohnend in der Umgebung

Ein Besuch der Karthause Ittingen bei Warth mit ihren Kraftströmen ist
ebenso nährend wie der Besuch der klösterlichen Beiz. Die kräftigenden
Energieströme unter dem ehemaligen Chorherrenstift sind sehr speziell und im
selber hergestellten Käse, in den Kräutern und im Hopfen der Karthause
spürbar. Ein Schluck des Karthäuser Klosterbiers kann entscheidend gegen
klimakterische Beschwerden helfen.

Ernsthaft, wie es sich für eine Elfenforscherin gehört, war ich an einem Tag
mit meiner ideellen Botanisierbüchse unterwegs, eifrig bemüht, nach diesem
Besuch möglichst viel Wissenswertes über die Uferelfen bieten zu können.
Vielleicht nahm ich mich und meine Aufgabe zu wichtig oder war zu beflissen
und unerschütterlich in meiner Mission unterwegs.

Es war kurz nach den verheerenden Überschwemmungen infolge Schmelz- und
Regenwassers. Das Terrain war feucht und schlammig. Ganz eindeutig
jedenfalls beschlossen die Elfen mich zu necken- und zwar nicht nur mich,
denn ich war mit Kolleginnen da, die beim Auto warteten. Aber nur um mich
wirbelten sie und inszenierten ganze Windspiele, so dass ich manchmal wie
von einem Sog angezogen, dann wieder wie durch eine Luftwelle weg gestossen
wurde. Zudem versank ich mit beiden Beinen abwechslungsweise im Boden, und
zwar so stark, dass ich die herumliegenden Schuhe im feuchten Boden suchen
musste und mit meinen nur noch sockenbewehrten Füssen herumtorkelte. Dieses
Schuhe-Abstreifen spielten die Elfen mehrere Male mit mir.
Selbstverständlich machte ich den morastigen Elfenspass nicht unbedingt
goutieren, das heisst, ich fühlte mich von den Elfen doch eher unartig
behandelt und verstand nicht, was ihnen an mir missfiel. Denn immer
erkundige ich mich vor einem Betreten des jeweiligen Areals, ob ich bei
ihnen willkommen bin, und falls ja, ob eher als eiliger Gast oder zur
längeren Unterhaltung.

Diese Uferelfen jedenfalls schienen sich auf mich gefreut zu haben. Weshalb
also ihr derbes herumschubsen? Das Diktafon, das ich bei meinen gewichtigen
Erkundigungen immer dabei habe, flog auch beinahe davon. Dann trampelte ich
haarscharf neben einem Blindgänger, einem etwa 50cm langen Sprengkörper, der
wohl bei der letzten militärischen Übung nicht explodiert war, vorbei, und
selbstverständlich glitt ich gerade beim näheren betrachten dieses
möglicherweise noch explosiven Metalldings wieder aus; die Beine zogen sich
unter mir weg, als hätte ich gerade auf einem wegrutschenden Teppich
gestanden – und ich landete nur wenige Zentimeter neben der Mine am Boden.
Ich kam mir absolut albern vor. Ich verstand das Stück nicht, das die
Uferelfen mit mir aufführten, verstand meine Rolle, die Bedeutung der derben
Spässe nicht.

Als ich bei den Elfen nachfragte, ob ich sie falsch verstanden hätte, ob sie
ihren Platz lieber nicht erwähnt haben möchten im Buch, ob sie lieber
unerkannt und auch von mir unbesucht an ihrem wunderschönen Thurufer bleiben
möchten, meinten sie: Doch, doch, sie freuten sich auf jeden Besuch, und sie
würden nicht mit allen diese Spässe machen. Wie tröstlich!

Ich rettete mich als aus der Elfenzone und kam mit meinen havarierten
Schuhen zum Auto. Das unterdrückte Gelächter meiner Begleiterinnen bei
meinem Anblick hellte meine Laune nicht entscheidend auf.

Da stand ich nun und begann erst langsam zu verstehen, worin meine Lektion
durch die Elfen bestand. Ich sah mich selber von weitem, aus Elfendistanz
sozusagen, sah mich gewichtig als Elfenforscherin herum schreitend, statt
das Zusammentreffen der frechen Kerle zu geniessen. Ich hatte die Elfen mehr
als Forschungsobjekt denn als Freunde gesehen. Und das mochten sie eindeutig
nicht.

Lust auf neue Freunde? Die Uferelfen erwarten Sie!

Evelyn Schweizer: Unsere guten Nachbarn – Elfen, Gnome und andere Naturwesen
in der Schweiz, Bern Gümlingen 2002