Ein anderer Zeitgarten

Ein Experiment auf der Hafenmole
Arbeitskreis Stadtentwicklung der Lokalen Agenda will „Zeitgarten“ /
Eröffnung am 9. Juli

Vom 28.06.2005

Von
Heike Sobotta
INGELHEIM In Ingelheim gibt es zu wenig Plätze, und diese wenigen laden
zudem nicht zum Verweilen ein, befand der „Arbeitskreis Stadtentwicklung“
der Lokalen Agenda schon vor langem und entwickelte ein Projekt, das jetzt
zum ersten Mal realisiert wird: „Zeitgärten“.


Was verbirgt sich dahinter? Das Anlegen von Aufenthaltsräumen, die zeitlich
und örtlich begrenzt und flexibel zu handhaben sind. „Es ist ein Experiment,
das neue Wege geht. Wir beobachten und versuchen herauszufinden, was die
Leute wollen“, erklärt Arbeitskreisleiterin Ulrike Sacher, die zugleich
freie Landschaftsarchitektin ist.
Premiere ist an der Hafenmole. Auf dem autofreien Gelände zwischen blauen
Bollern und Flussufer erhalten die Ruhebänke Gesellschaft: Von Freitag, 8.
Juli, bis Mitte September wird hier auf einer Fläche von 20 mal vier Metern
ein grüner Kunstrasen ausgerollt. Auf dem Rasen sollen Pflanzenkübel mit
Palmen mediterrane Atmosphäre schaffen und 15 Liegestühle zum Ausruhen und
Verweilen einladen.
Damit am Ende der Aktion hoffentlich noch alle Liegestühle da sind, hat sich
ein Frei-Weinheimer Bürger bereit erklärt, sie jeden Morgen aufzustellen und
abends in einem Container sicher zu verwahren. 4,40 Meter hohe, weithin
sichtbare transportable Tore begrenzen das Areal. In ihnen flattern farbige
orange und rote Tücher. Eine Informationstafel ergänzt die Anlage.
Was erhoffen sich die Macher? Resonanz. Sie rechnen mit Ablehnung,
Diskussion, konstruktiver Kritik. Am meisten hoffen sie aber auf breite
Zustimmung und Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung für den ersten
Zeitgarten.
Denn die Agendagruppe möchte mehr als einen Garten, in dem die Besucher
sitzen, auf den Rhein mit seinem Schiffsverkehr blicken und ihre Blicke in
den Rheingau schweifen lassen.
Der Zeitgarten soll sich zu einem aktiven Forum mausern. Er kann jederzeit
als Ort für Veranstaltungen genutzt werden, die Open Air durchführbar sind
und die sich auch durch vorbeifahrende Autos, tuckernde Schiffe oder Musik
aus dem Biergarten nicht stören lassen.
Während des Entstehungsprozesses reiften dazu viele Ideen: Straßentheater,
Straßenmusik, Pflastermaler, vielleicht gar Reden schwingende Sprecher,
ähnlich der berühmten Speaker´s Corner in London. Oder eine Modenschau? Das
entscheiden die Veranstalter. Sie können den Platz kostenfrei mieten, müssen
sich aber um Bestuhlung und Technik vor Ort selbst kümmern. Veranstaltungen
müssen im Agendabüro bei Roland Beek angemeldet sein. Und: Die Toiletten im
Biergarten dürfen Besucher des Zeitgartens nicht benutzen.